Engelberg-Titlis, mitten im Winter: Während Skifahrerinnen und Snowboarder die Pisten geniessen, sorgt ein kleines Team von Patrouilleuren dafür, dass alles sicher bleibt. Wir haben Julian Merz, erfahrenen Pistendienstmitarbeiter, einen Arbeitstag lang begleitet. Im Gespräch über Sprengungen, Sicherheit und Rettungseinsätze wird klar, wie viel Fachwissen, Erfahrung und Leidenschaft nötig sind, um den Pistendienst am Titlis zu organisieren und Lawinengefahren zuverlässig zu kontrollieren.
Wie Julian zu seinem Traumberuf kam, was zu seiner täglichen Routine gehört und welche imposanten Zahlen und Fakten den Pistendienst in Engelberg prägen, lesen Sie in dieser Fernsicht-Ausgabe. Wir wünschen Ihnen einen sicheren und erlebnisreichen Winter. |
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Eine Leidenschaft für Lawinenwissen |
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Ein Tag unterwegs mit dem Pistendienst im westlichen Teil des Skigebiets Engelberg-Titlis |
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Mitte Januar konnte Jürg Haltmeier den Patrouilleur Julian Merz während eines ganzen Arbeitstages begleiten. Zwischen 7.20 Uhr morgens und 16.30 Uhr abends kam keine Minute Langeweile auf. Auch ohne nennenswerte Neuschneemengen über Nacht gab es viel zu tun: Schneemessungen, Pistenkontrollen, Datenerhebung für das Institut für Schnee- und Lawinenforschung (SLF), Kontrollfahrten im Gebiet, das Überprüfen von durch Skifahrerinnen und Skifahrern abseits der Piste ausgelösten Schneebrettlawinen und vieles mehr. |
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Traumberuf Pistenpatrouilleur |
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Julian Merz lebt in Luzern und ist seit über zehn Jahren jeden Winter als Pistenpatrouilleur im Einsatz. Diese Tätigkeit übt er ergänzend zu seiner Lehrertätigkeit an verschiedenen Primarschulen in der Zentralschweiz aus. Nach fünf Saisons auf der Bettmeralp folgte ein Winter auf der Belalp und nun ist er bereits seit sieben Jahren in Engelberg am Jochpass tätig.
Zum Einstieg ein paar Fragen an den Patrouilleur Julian: Über seinen Weg zum Traumberuf, besondere Erlebnisse im Pistendienst und den Umgang mit Verantwortung und Risiko. |
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Julian, wie bist du zu deinem Traumberuf gekommen?
Ich fahre sehr gerne Ski. Schon als Kind bewunderte ich auf der Bettmeralp die Patrouilleure, die morgens und abends alleine auf den leeren Pisten unterwegs waren. Einmal versteckte ich mich mit meinem Vater hinter einem grossen Felsen, um nach Pistenschluss hinter dem Patrouilleur als Letzter abfahren zu können.
Fällt dir spontan ein besonderes Erlebnis aus deiner Tätigkeit ein?Ja, das war auf der Bettmeralp. Ein nicht sehr routinierter Skifahrer meisterte einen eisigen, steilen Hang. Unten angekommen wollte er ein Selfie mit der geschafften Passage machen. Dabei verlor er das Gleichgewicht und renkte sich beim Sturz auf der flachen Piste die Schulter aus. Zum Glück konnte diese beim Arzt unkompliziert wieder eingerenkt werden.
Wie gehst du mit belastenden Situationen, wie zum Beispiel schweren Unfällen, um?
Bei schweren Unfällen sind wir immer zu zweit präsent und unterstützen uns gegenseitig. Unsere Aufgabe ist es, die Patientinnen und Patienten rasch und schonend für den Abtransport mit dem Helikopter vorzubereiten oder sie mit dem Rettungsschlitten via Seilbahn zum Arzt oder zur Ambulanz im Tal zu bringen. Wir Patrouilleurinnen und Patrouilleure bewegen uns in unserem gewohnten Umfeld, sind gut geschult und verfügen über grosse Erfahrung im Umgang mit Verletzten. Manchmal rufen wir im Spital an und erkundigen uns nach dem Wohlergehen der Patientinnen und Patienten. Dies gehört genauso zur professionellen Aufarbeitung wie das gemeinsame Gespräch nach dem Einsatz.
Wie ist der Pistendienst Engelberg-Titlis organisiert und was ist dessen Aufgabe?
Täglich befinden sich acht Patrouilleurinnen und Patrouilleure im Einsatz. Der Rettungschef oder dessen Stellvertretung plant und organisiert die einzelnen Zuständigkeiten. Ein zusätzlicher Patrouilleur übernimmt als Fahrer des Raupenfahrzeugs Gator verschiedene Transport- und Überwachungsaufgaben. So werden etwa verunfallte Wintersportlerinnen und -sportler von der Talstation des Sessellifts Jochpass zur Bergstation Trübsee gefahren. Von dort aus erfolgt der Weitertransport mit der Kabinenbahn ins Tal zum Arzt oder Krankenwagen. Insgesamt stehen somit in der Regel täglich zehn Personen des Pistenrettungsdiensts im Einsatz.
Das Gespräch endet, der Arbeitstag aber längst nicht. Jürg begleitet Julian weiter durch das Gebiet und erlebt, wie viel Aufmerksamkeit und Fachwissen hinter einem scheinbar ruhigen Skitag stecken.
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Jede Skipiste wird gesetzlich im Rahmen der sogenannten Verkehrssicherungspflicht einem öffentlichen Verkehrsweg, wie einer Strasse, gleichgestellt. Der Fachverband der Betreiber von Transportanlagen, Seilbahnen Schweiz, stellt die schweizweit einheitliche Umsetzung mit einem detaillierten Handbuch sicher. Der Pistendienst ist für drei Hauptaufgaben verantwortlich:
Markieren, signalisieren, absperren: Zur Morgen- und Abendroutine gehört es, Markierungspfosten, Hinweisschilder sowie Absperrseile und -netze zu überprüfen und korrekt zu setzen.
Überwachen, sprengen, sperren: Die Sicherheit innerhalb des Skigebiets beziehungsweise der markierten Pisten wird laufend in Bezug auf Naturgefahren beurteilt. Die Lawinengefahr wird kontinuierlich überwacht und Gefahrenzonen bei Bedarf durch Sprengungen entschärft. Dies erfolgt meist bei Tagesanbruch vor dem regulären Skibetrieb. Bei Gefahr durch Gleit- und Nassschneelawinen werden Pisten gesperrt.
Bergen und retten: Verunfallte Skifahrerinnen und Skifahrer werden rasch und professionell betreut, mit dem Rettungsschlitten abtransportiert oder für den Transport mit dem Helikopter vorbereitet. |
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 | Foto 1: Julian macht Messungen im Schnee. |
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Foto 2: Die Temperatur wird für jede Schneeschicht gemessen und notiert. |
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Foto 3: An der Unterkante des Risses wird eine Stange gesetzt, um Bewegungen in der Schneedecke zu beobachten. |
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 | Foto 4: Das Bild zeigt einen Gleitschneerutsch, der Schnee rutscht auf der Wiese. |
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KA-WUMM für die Sicherheit der Skifahrerinnen und Skifahrer |
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Das gesamte Sicherheitskonzept des Skigebiets Engelberg-Titlis basiert auf einem umfassenden Gutachten mit einer detaillierten Gefahrenkarte. Dieses wurde 2017 von Spezialisten des SLF im Auftrag des Skigebiets erstellt. Auf der Gefahrenkarte sind sämtliche Lawinenanrissgebiete akribisch erfasst und kategorisiert. |
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Diese Abbildung zeigt die detaillierte Gefahrenkarte des Skigebiets Engelberg-Titlis. Das Sicherheitskonzept wurde von Spezialisten des SLF erstellt. |
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Mit zahlreichen fest installierten Sprengvorrichtungen werden potentielle Lawinen vorsorglich durch bis zu 5 Kilogramm schwere Sprengladungen ausgelöst. Oft werden Sprengladungen auch von den Patrouilleuren von Hand platziert oder aus dem Hubschrauber abgeworfen.
In der Saison 24/25 wurden im Gebiet insgesamt 1500 Kilogramm Sprengstoff für Sprengungen eingesetzt. Im gleichen Zeitraum musste der Rettungsdienst 360 Unfälle betreuen, bei denen er aktiv eingreifen musste. |
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Die beiden Fotos zeigen eine kontrollierte Lawinensprengung im Skigebiet Engelberg-Titlis. |
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Wertvoller Informationsfluss für Skitourenfahrerinnen
und -fahrer | Um ein möglichst genaues Lawinenbulletin erstellen zu können, müssen die Rechenmodelle der SLF-Prognostiker täglich mit aktuellen Daten versorgt werden. Dabei leisten die Lawinenbeobachterinnen und -beobachter aus den Skigebieten eine überaus wichtige Arbeit.
Jeden Tag werden vor acht Uhr morgens die Neuschneemenge, die Gesamtschneehöhe sowie die Beschaffenheit der Schneeoberfläche über das Portal SLF Pro gemeldet. Zusätzlich übermittelt der oder die Tagesverantwortliche des Pistendienstes täglich vor 14 Uhr eine Einschätzung der Lawinengefahr in Bezug auf die aktuelle Schneesituation und die beobachteten Gefahrenzeichen.
Zudem erstellen die Verantwortlichen des Pistenrettungsdienstes zweiwöchentlich ein Flachfeldschneeprofil und je nach Schneesituation auch ein Hangschneeprofil. Auch Lawinenabgänge im Gebiet werden auf SLF Pro eingetragen. Die Profile und Lawinen sind für alle Nutzerinnen und Nutzer der White Risk App einsehbar. |
| Gegensätzliche Gefahrenherde auf Tour und auf der Piste |
Die Gefahrenmuster Neuschnee, Triebschnee und Altschnee beschäftigen die Skitouren-Community den ganzen Winter über.
In einem Skigebiet präsentiert sich die Gefahrenlage hingegen eher umgekehrt: Den Gefahrenmustern Neu- und Triebschnee wird, wenn nötig, mit regelmässigen Sprengungen begegnet. Damit wird auch das Gefahrenmuster Altschnee weitgehend eliminiert und die Gefahr von trockenen und nassen Schneebrettlawinen zuverlässig eingedämmt.
Gleitschneelawinen jedoch können mit einer Zusatzbelastung wie einer Sprengladung nicht gesprengt werden. Sie sind somit eine grosse Herausforderung für den Pistenrettungsdienst. Deshalb wird die Gleitschneesituation genau beobachtet und beurteilt. Darauf basierend werden Massnahmen ergriffen, wie z.B. temporäre Schutzbauten aus Schnee oder die Sperrung von Pisten. |
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 | Julian macht eine Aufnahme einer Lawinen-Anrisskante im Variantengelände. |
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Julian und die Gleitschneelawinen |
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Mit bewundernswerter Leidenschaft verfolgt Julian während seiner täglichen Arbeit die Bewegungen der Schneedecke in den betroffenen Hangbereichen oberhalb der Pisten am Jochstock, Jochpass, Engstlensee sowie im oberen Teil der Talabfahrt ab Obertrübsee. Seinem routinierten Auge entgeht kein Detail und keine Veränderung.
So sammelt der Pistenrettungsdienst relevante Daten. Beispielsweise mittels Platzierung von Bambusstangen, um die Gleitbewegung zu messen; durch Vergleiche von Fotos, um Veränderungen zu entdecken; oder der Messung der Schneetemperatur, um die Durchfeuchtung der Schneedecke zu beobachten. Die gesammelten Daten ermöglichen eine fundierte Entscheidungsfindung für zu treffende Massnahmen, wie z.B. die Sperrung von Pisten. Besondere Beobachtungen werden zudem über die SLF-Pro-App nach Davos übermittelt.
Zum Abschluss des Tages verabschiede ich mich am Jochpass von Julian und fahre beschwingt auf der inzwischen menschenleeren Piste ins Tal nach Engelberg. In Gedanken auch bei dem kleinen Jungen Julian, der sich einst von den leeren Pisten zu seinem Traumberuf hat begeistern lassen. Danke, Julian, für den überaus inspirierenden Tag mit dir auf den Pisten rund um den Jochpass. Ein herzlicher Dank geht auch an das Management, die Marketingabteilung sowie an Rettungschef Stefan, die diesen Tag ermöglicht haben. |
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Aufbaukurs Lawinen Lidernen |
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Bauen Sie Ihr Wissen in Lawinenkunde aus |
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Haben Sie auf einfachen Wintertouren schon eigene Erfahrungen sammeln können, zum Beispiel in einer geführten Gruppe oder mit Freunden? Wenn Sie jetzt auch einmal Ihre eigene Spur durch das Gelände ziehen wollen, dann liegen Sie mit diesem Kurs als Vorbereitung goldrichtig. Die Topografie des Lidernengebietes eignet sich hervorragend, um das in den Theorieblöcken vermittelte Wissen unmittelbar anzuwenden und zu vertiefen. |
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Skitour Urner Haute Route |
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Sie haben Lust in die Bergwelt rund um Engelberg einzutauchen und ein Abenteuer zu erleben? Dann ist diese Haute Route wie geschaffen für Sie. Zwischen dem Urserental und Engelberg breitet sich ein im Winter besonders einsamer Landstrich aus. Ein Hauch Abenteuergeist umweht die grandiosen Etappen von Hütte zu Hütte. Die Gipfeltouren zum Sustenhorn 3502m und zum Grassen 2946m mit anschliessenden Traumabfahrten setzen diesen Tagen die Krone auf. |
| Urner Haute Route |
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Partnerbeitrag ALPINE OUTFITTERS |
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Unkompliziertes LVS Mini IPS |
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PIEPS startet in die Wintersaison 2025/26 mit dem MINI IPS, einem ultrakompakten LVS-Gerät, das die High-End-Technologie des mehrfach ausgezeichneten PRO IPS einem breiten Publikum zugänglich macht.
Mit nur 158 g, schlankem Design und extra grossem Display liegt es perfekt in der Hand. Das Interference Protection System (IPS) sorgt für zuverlässige Suche auf 50 m Suchstreifenbreite bei intuitiver Bedienung. So bietet das MINI IPS High-End-Schutz in einem kompakten, handlichen Format für Einsteiger:innen und erfahrene Tourengeher:innen gleichermassen. |
| PIEPS Mini IPS |
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